„Tourette hat es mich gelehrt.“

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Das erste größere Vorhaben Kreykenbohms konnte dann bereits am 11.03.2016 mit einer 7. Hauptschulklasse und Klassenlehrer Axel Adler realisiert werden. „Wir haben an einem Nachmittag unser Sozialtraingsprogramm LionsQuest durchgeführt und in einer Arbeitsphase kam die Frage nach Depressionen und ihre Ursachen auf. Da ich auf diesem Gebiet kein Fachmann bin, habe ich Herrn Kreykenbohm um Hilfe gebeten“, erläutert Adler. Dieser setzte sich nach einigen Recherchen über Kooperationspartner sofort mit der Teestube Soltau e.V. in Verbindung. „Ich hätte den Schülerinnen und Schülern natürlich auch einfach sämtliche Informationen, die ich aus der Literatur oder dem Internet beziehen kann, aufsagen können, aber von einem direkten Austausch mit Betroffenen über persönliche Erfahrungen mit Depression, ihren Gefühlen und Gedanken sowie den Umgang mit dieser Krankheit werden die Jugendlichen am meisten profitieren“, begründet Kreykenbohm seine Entscheidung. „Ich verstehe es als Teil meiner Arbeit in diesem Fall einen Rahmen der Begegnung zu schaffen, durch den die Schüler auch womöglich bestehende Vorurteile oder gar Hemmungen abbauen und Empathie entwickeln“. Die größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter der Teestube zeigten sich bemüht und so wurde der Kontakt zu der besonders engagierten Frau Richter hergestellt, die für ein Treffen gewonnen werden konnte. Frau Richter leidet unter dem Tourette Syndrom, in dessen Folge sich aufgrund alltäglicher Herausforderungen eine Depression entwickelte. Sie konnte den Schülerinnen und Schülern nicht nur das Leben mit Tourette, sondern somit auch die möglichen Ursachen und Auswirkungen von Depressionen schildern. Sehr nachdenklich wurden die Kinder, als Frau Richter von Mobbing und Beschimpfungen während ihrer Schulzeit berichtete und das nur wenige Menschen zu ihr hielten. Sie machte den 7.Klässlern aber auch unmissverständlich klar, wie wichtig eine Vertrauensperson und ärztliche Unterstützung sind. Mithilfe von Freunden, Familie und Bekannten hat Frau Richter gelernt, ihren Lebensalltag mit Tourette und Depressionen zu meistern.

Diese Hilfe fand sie unter anderem auch in der Teestube Soltau e.V.. Frau Richter stellte den Treffpunkt und das Kommunikationszentrum für Suchtkranke, psychisch Kranke, deren Angehörige und Jedermann vor und erklärte die dortigen Selbsthilfegruppen, in dem jeder Betroffene, Angehörige oder Interessierte Rat, Unterstützung und Informationen finden kann.

Nach 80 Minuten gingen dann den Schülerinnen und Schülern die Fragen aus und sie verabschiedeten sich mit einem gemeinsamen Foto von ihrem Besuch.

Frau Richter blickte mit der Klasse auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück, richtet ihren Blick jedoch vor allem positiv und mit viel Lebensfreude nach vorne: „Die starke Persönlichkeit, welche aus mir geworden ist und der Mensch, der ich heute bin, den haut so schnell nichts mehr um. Tourette hat es mich gelehrt“.

Kreykenbohm und Adler planen nun einen Ausflug mit der Klasse zur Teestube, um den Kindern die Arbeit des Vereins näher zu bringen.

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